Wann ändert die EZB ihren geldpolitischen Kurs?

Die EZB steckt in der Klemme: Aufgrund der niedrigen
Inflation und des zu starken Euros ist eine Fortführung der aktuellen
Geldpolitik die beste Option. Jedoch stößt das Anleihekaufprogramm wohl
bald an seine Grenzen. Baufinanzierer können sich noch über kurzfristig
niedrig bleibende Zinsen freuen, die Frage ist nur wie lange noch.

Aufgrund der andauernden Erholung der europäischen Wirtschaft fordern
immer mehr Banken, Marktexperten und Politiker, besonders aus
Deutschland, die EZB dazu auf, ihre Geldpolitik zu ändern. Die
Einschätzung wird von der EZB zwar grundsätzlich geteilt, jedoch spricht
die Entwicklung einiger ökonomischer Eckdaten gegen ein Ende des
Anleihekaufprogramms und der Niedrigzinsen. Ein Problem ist die niedrige
Inflation, die mit ca. 1,3 % weit unter der Zielmarke von 2 % liegt.
Auch hat aufgrund der starken Wirtschaft der Euro seit Jahresbeginn um
10 % gegenüber dem US-Dollar zugelegt. In der Folge werden Produkte aus
der Eurozone teurer, was den Export schwächt. Da gleichzeitig Importe
günstiger werden, kann die Inflation nicht weiter nach oben gehen.
Sollte die EZB von ihrer aktuellen Geldpolitik abrücken, könnte die
Inflation noch schwächer ausfallen und damit im schlimmsten Fall sogar
Deflation drohen. Deshalb sprach sich der EZB Präsident Mario Draghi kürzlich davon, dass der starke Eurokurs Unsicherheit bereite und deshalb überwacht werden müsse.

EZB muss sich bald entscheiden

Da das Anleihekaufprogramm der EZB am Ende des Jahres ausläuft, muss
die Zentralbank bald eine Entscheidung diesbezüglich treffen. Eine
nochmalige Verlängerung könnte schwierig werden, denn im nächsten
Frühjahr könnten die eigenen Ankaufgrenzen bei den Anleihekäufen
erreicht werden. Auch wenn die Entscheidung über das weitere Vorgehen
erst mal vertagt wurde, bleibt der EZB nur wenig zeitlicher Spielraum.

Eine mögliche Entscheidungshilfe könnte der EZB nächste Woche von
Westen her kommen: Am 20. September erfolgt der erste Zinsentscheid der
Fed nach der Sommerpause. Vom Markt werden jedoch vorerst keine weiteren
Zinserhöhungen erwartet. Wahrscheinlicher ist dieser Schritt erst für
Dezember oder sogar das kommende Jahr. Vielmehr wird erwartet, dass die
Fed nächste Woche den Beginn der Bilanzreduzierung beschließen wird.

Entwicklung der Baufinanzierungszinsen:

Von der Entwicklung der Leitzinsen ist auch die Entwicklung der
Baufinanzierungszinsen abhängig. Die Bestzinsen für 10-jährige
Hypothekendarlehen vollzogen seit Anfang August einen zyklischen
Rückgang. „Von 1,16 % ging es bis Anfang September auf 1,02 Prozent
zurück“, erläutert Jörg Haffner, Geschäftsführer der
Qualitypool GmbH. „Seit dem Höchststand im Juli sind es 20 Basispunkte.
Diese rückläufige Entwicklung der letzten sechs Wochen wird aber
voraussichtlich nicht von Dauer sein. Zwar fehlen aktuell die Impulse
für einen neuerlichen Zinsanstieg. Es ist aber davon auszugehen, dass
die Anleihen- und Zinskurse – auch im Zuge neuer Maßnahmen der
Notenbanken − in den nächsten Monaten wieder in Bewegung geraten.
Entsprechend sollten die Baufinanzierungszinsen im nächsten Jahr
tendenziell steigen.“

Nach Meinung von Haffner tun Baufinanzierungsmakler in diesen Zeiten
gut daran, ihren Kunden die aktuelle Zinssituation mit ihren Chancen und
Risiken ausführlich darzulegen: „Wer aktuell nach einer Immobilie
sucht, kann nach wie vor von sehr niedrigen Zinsen profitieren. Für die
kommenden Monate ist auch nicht mit sprunghaften Anstiegen der Zinsen zu
rechnen. Es sollte also keinesfalls Panik unter den
Baufinanzierungskunden aufkommen.“ Mit einem zügigen Abschluss in den
nächsten Monaten können Baufinanzierer unter Umständen gutes Geld
sparen. Angesichts hoher Immobilienpreise, vor allem in den
Ballungsräumen, könnten sich leichte prozentuale Veränderungen der
Baufinanzierungszinsen bereits deutlich auf die Finanzierungskosten
auswirken.

Qualitypool erwartet kurzfristig seitwärts schwankende Zinsen und rechnet langfristig mit steigenden Zinsen. (ahu)